Zwei Stolpersteine mit niedergelegten Blumen

Wege gegen das Vergessen

Wege gegen das Vergessen

„Geschichte ist eine Erbschaft“ schreibt der von der Stadt Herzogenrath initiierte Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ in seiner Dokumentation „Juden in Herzogenrath“. Die Wege führen durch Herzogenrath zu 20 Stationen, an denen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Herzogenrath konkret werden kann.

Moses Wege gegen das Vergessen

Stadtplan auf den Spuren des Nationalsozialismus und des Widerstandes

Erste Station ist die Gedenktafel an der Anna-Nöhlen-Brücke. 
Wer war die Widerstandskämpferin Anna Nöhlen?
Die Brücke erinnert an die lokale Widerstandskämpferin Anna Nöhlen. Während der nationalsozialistischen Herrschaft half sie unter Lebensgefahr verfolgten Jüdinnen und Juden bei der Flucht über die nahe deutsch-niederländische Grenze. 1939 wurde sie verraten und verhaftet und später in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Im April 1942 wurde Anna Nöhlen in der „Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg/Saale ermordet.

Mit dem Bürgerhaus Merkstein, Station 2, wird an Kurt Berkner und seinen aktiven Widerstand erinnert. Station 10 führt zum Mosesdenkmal, das 1934 von nationalsozialistischen Anhängern zerstört worden ist. Der heutige Moses stammt aus dem Jahr 1962. Ursprünglich als PR-Maßnahme für einen besonders harten und haltbaren Sandstein gedacht, schuf der Bildhauer Wings 1852 eine 3,8 m große und 7,5 t schwere Figur, die nach ihrem „Besuch“ auf der Pariser Weltausstellung 1856 auf dem Bahnhof Herzogenrath „herrenlos“ liegen blieb. Schließlich stellten Bedienstete die Figur, die 1862 sogar Aufnahme in den Baedecker fand, neben dem Bahnhof auf. 

Das Grenzpolizeikommissariat Herzogenrath in der Aachener Straße 44, Station 10 war Dienststelle der Gestapo. Die Kontrolle des Grenzverkehrs und der seit jeher starken grenzübergreifenden Pendlerarbeit zählte ebenso zu ihren Aufgaben wie die Verfolgung „illegaler“ jüdischer Auswanderer, die Ermittlung ihrer Fluchthelfer und verdeckte Ermittlungen gegen Widerstandsgruppen im In- und Ausland. 

Station 17, die Kirche St. Josef in Straß, erinnert an Josef Buchkremer, der hier ab Juni 1937 Pfarrer war. Regimekritische Äußerungen führten zu einem Unterrichtsverbot und schließlich 1942 ins Konzentrationslager Dachau. 1945 kam Buchkremer frei. Ab 1961 war er Weihbischof in Aachen. Er starb 1986. 

Mit Station 20, der Höckerlinie, wird an den Westwall erinnert. Das rund 630 Kilometer lange Befestigungssystem entlang der deutschen Westgrenze wurde ab 1936 geplant und insbesondere zwischen 1938 und 1940 errichtet. Es bestand aus mehr als 18.000 Befestigungsanlagen sowie zahlreichen Gräben und Panzersperren. Der Westwall war Teil der Kriegsvorbereitungen des nationalsozialistischen Regimes und sollte die deutsche Westgrenze während der Vorbereitung des Angriffskrieges absichern. Gleichzeitig wurde er von der NS-Propaganda als nahezu unüberwindbares „Bollwerk“ dargestellt und zur Mobilisierung der Bevölkerung für den bevorstehenden Krieg genutzt.


Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ in Herzogenrath

Gegründet auf Initiative eines städtischen Jugendtreffs im Jahr 1993

Ziel: Durch Information und Aufklärung die Zeit des  Nationalsozialismus in Herzogenrath nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Es geht dem Arbeitskreis stets um zwei Aufgabenstellungen:
Erinnern an das, was geschehen ist und mahnen, damit  sich das Entsetzliche nie wiederholt.

 

Denkmal Wege gegen das Vergessen





Aktionen:

  •  Errichtung eines Mahnmals am Rathausplatz
  •  Aktionen mit Jugendlichen, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen
  •  Verlegung von Stolpersteinen vor den letzten freigewählten Wohnadressen von Opfern des Nationalsozialismus im Stadtgebiet
  •  Errichtung des Moses-Denkmal am Hauptbahnhof
  •  Gedenken an die jüdische Familie Goldsteen, die dem Holocaust zum Opfer fiel
  •  Jährliche Mahn- und Gedenkveranstaltung am 09. November auf dem Rathausvorplatz
Karte Wege gegen das Vergessen