Keine Steine in den (Vor-)Gärten!

Mit einem begrünten Garten kann jeder einen kleinen Beitrag zu besserem Klima leisten

In der letzten Zeit sieht man sie immer öfter. Schotter- und Kiesgärten werden immer beliebter und werden gerne auf privaten Grundstücken angelegt, denn Schottergärten gelten Manchen als günstige und arbeitssparsame Möglichkeit der Gartengestaltung. Viele Leute scheuen die Arbeit, die oft mit einem begrünten Garten in Verbindung gebracht wird. Doch ist vielen Leuten nicht bewusst, dass Schottergärten teuer sind und viel Arbeit machen.
Wenn beispielsweise im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen und sich in den meist groben Steinen der Gärten verfangen, müssen diese regelmäßig eingesammelt werden. Gleichzeitig können sich Algen, Moose und Flechten auf den Steinen ansiedeln, wodurch sich die Steine grünlich verfärben können.

Im Laufe des Winters bildet sich durch verrottendes Grün eine dünne Schicht Humus unter der Gesteinsschicht, die Wildkäutern einen guten Nährboden bietet. Aufgrund der groben Struktur der Steine lässt sich das Beet nicht schnell mit einer Hacke durchrechen um das lästige Unkraut zu beseitigen, sondern man kommt nicht drum herum, das Unkraut von Hand zu jäten.
Eine chemische Behandlung der Steine durch Herbizide ist verboten, weil die Chemikalien vom Regen abgespült werden können, was zu einer Gewässerverunreinigung führt.
Da beim Anlegen der Schottergärten in der Regel eine dünne Plastik- oder Vliesfolie oder sogar eine Schicht Spritzbeton als Untergrund verwendet wird, steigt die versiegelte Bodenfläche innerhalb einer Stadt stark an. Durch diese Versiegelung kann Regenwasser nicht mehr im Boden versickern, was unweigerlich zu einem erhöhten oberirdischen Abfluss des Niederschlagwassers führen wird. Dies birgt gerade in Zeiten des Klimawandels zunehmende Gefahren, da im Zuge dessen die Häufigkeit von Starkregenereignissen steigt. Durch diese oberirdisch schnell abfließenden Niederschlagswassermengen, kann es rasch zum Überfordern der Kanalisation kommen, sodass sich das Wasser in die Straßen zurück staut, was zu Überflutungen führen kann.
Darüber hinaus führt versiegelter Boden zu einem Verlust der Bodenfruchtbarkeit und gilt biologisch gesehen als tot, weil er vielen Tieren und Pflanzen keinen Lebensraum mehr bieten kann.
Im Gegensatz zu Schottergärten kann sich die Wärme bei einem bepflanzten Garten nicht stauen. Die Luft kühlt sich auch im Sommer nachts ab und sorgt für ein frisches, angenehmes Klima. Dies führt unweigerlich zu einer besseren Luftqualität und mindert die Hitzeentwicklung im Stadtgebiet.
Nach drei bis zehn Jahren muss das verwendete Plastik oder Vlies erneuert werden. Dazu müssen die Steine zunächst aus dem Beet entfernt werden. Dabei sollten die Steine mittels eines Hochdruckreinigers gereinigt werden, um Moose, Algen und Flechten von den Steinen zu entfernen. Nachdem das Plastik oder Vlies erneuert wurde, müssen die Steine erneut aufwendig im Beet verteilt werden. Dies ist sowohl sehr zeitaufwendig als auch kostenintensiv.
Häufig sind Schottergärten kaum bis gar nicht bepflanzt. Bei den wenigen verwendeten Pflanzen handelt es sich häufig um Ziergräser oder Koniferen, welche oft nicht heimisch sind. Diese Gräser breiten sich durch Samenflug aus und vertreiben nach und nach die heimische Pflanzenwelt. Die verwendeten Pflanzen bieten der heimischen Tierwelt keine Nahrungsquelle, was zum Artensterben im hohen Maße beiträgt. Bepflanzung, die nicht an das Wüstenklima angepasst ist, vertrocknet zwischen den heißen Steinen, egal wie viel man sie gießt. Vielmehr muss versucht werden diese durch zusätzlichen Pflegeaufwand zu erhalten.

Ein einfacher Weg um die Problematiken, die ein Schottergarten mit sich bringt, zu umgehen, ist die Gärten wieder artenreicher und ökologischer zu bepflanzen.
Eine Möglichkeit der Umsetzung ist das Nutzen der hier heimischen Pflanzenwelt. Versiegelte Flächen sind nur als notwendige Geh- und Fahrwege zu planen und großzügige Grün- und Blumenbeete anzulegen. Für die Bepflanzung bieten sich heimische Stauden an. Sie gelten als sehr pflegearm, da sie nur im Frühjahr zurückgeschnitten werden müssen und das ganze Jahr über mit ihrem sich verändernden Erscheinungsbild verzaubern. Sie dienen zahlreichen Insekten als Nahrungsquelle und verhindern so das Artensterben.
Ehemalige Schottergärten kann man zu einem begrünten Garten umgestalten. Beispielsweise kann man einen Teil der Schottersteine zu einem Steinhaufen zusammenlegen, welcher Echsen und Insekten Lebensraum bietet.
Zu beachten bei der Rückbildung eines Schottergartens ist, dass die Beete zunächst komplett von dem Schotter befreit werden müssen und das Vlies entfernt werden muss. Anschließend muss die Erde wiederbelebt werden, wenn sie sehr stark verdichtet ist. Dies kann beispielsweise durch das Hinzufügen von Kompost erfolgen.
Mit dem Anlegen eines begrünten Gartens leistet man somit seinen eigenen kleinen Beitrag zur Reduzierung der Auswirkungen des Klimawandels und der Rettung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und trägt durch die Vielfalt der Bepflanzung zur Schönheit und zur Lebendigkeit des Erscheinungsbildes bei!

Datum:10.03.2020

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