Die Frage hat das Kulturprogramm der Stadt Herzogenrath und die Europaschule gemeinsam mit einer internationalen Inszenierung beantwortet und wurden vom Publikum belohnt.
Über ein volles Haus im Forum der Herzogenrather Europaschule freuten sich die 70 Mitwirkenden Jugendlichen aus Belgien, den Niederlanden und Herzogenrath. Für die Zuschauer ein Genuss. Wie in der Antike auf leerer Bühne, mit klassischen Kostümen und ganz durch die Schauspieler und Beleuchtung in Szene gesetzt, wurde dreisprachig gespielt. Zur Erleichterung konnte das Publikum die Dialoge über mitlaufende Untertitel verfolgen.
Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann war zu Gast in der Vorstellung und war begeistert:
„„Nein, man brauchte die Untertitel nicht! Die Darstellkraft der jungen Künstlerinnen und Künstler verstärkte sich durch die oft sogar im direkten Dialog entstehenden Wechsel der Sprache, mit der sie in ihrer jeweils eigenen Sprache den Anschluss fanden an den für sie fremdländischen Vortrag des Gegenübers und ohne Stolpern das Publikum durch die szenischen Inhalte führten: wie weint man auf Französisch, schimpft man mit niederländischen Klängen, zeigt man in deutscher Sprache Betroffenheit? Das Stück war nicht nur für Liebhaber der Klassik ein Genuss, es wurde ein Ohrenschmaus, ein Lehrstück für die europäische Verständigung der Jugend.“
Die Schauspieler stammten aus sechs Schulen der Euregio und entwickelten seit August 2009 die Inszenierung. (Athénée Royal „Air Pur“ Seraing, Sophianum Gulpen, Pleincollege Van Maerlant Eindhoven, Sint-Maartenscollege Maastricht, Gesamtschule Langerwehe, Europaschule Herzogenrath). Diese Schulen kooperieren mit fünf weiteren seit einigen Jahren unter dem Namen „Aischylos“ euregional und dreisprachig, um gemeinsam Theaterstücke der griechischen Antike mit professionellem Anspruch zu erarbeiten und aufzuführen.
Mit dem niederländischen Regisseur Sjeng Verheijden hat die Kooperation einen ausgewiesenen Fachmann für Inszenierung antiker Stücke gewonnen.
„Klassische griechische Tragödie auf der Bühne, und das von Jugendlichen gespielt. (.. da sind am Ende doch immer alle tot)! Warum nun gerade ein Stück aus der Antike“, ist für die Projektleiterin der Europaschule Imke Voigt das Stichwort: „Sicherlich kann man etwas spielen das auf den ersten Blick näher an der Erfahrungswelt der Jugendlichen liegt. Doch gerade die Aktualität der griechischen Tragödien ist es, die uns und den Schüler/innen einen Spiegel vor Augen hält. Hier dreht sich alles um die reinigende Wirkung der Selbsterkenntnis. Ist die Hauptfigur zunächst durch ihre ‚Blindheit’ nicht in der Lage sich selbst zu erkennen, wird sie im Verlauf des Stückes zu dieser Erkenntnis geführt. Das ist mit vielen Opfern verbunden, heute sind diese natürlich nicht mehr menschlicher Natur.“
So haben die Jugendlichen während der Produktionsmonate gerade diese Selbsterkenntnis erfahren. Die Zusammenarbeit an den gemeinsamen Probenwochenden, immer an einer anderen Schule, in einem anderen Land, mit drei verschiedenen Sprachen und Kulturen forderte alle Schülerinnen und Schüler zu Höchstleistungen und auch Zweifeln heraus. Am Ende Stand die Freude es geschafft zu haben und auch neue Freunde in den Nachbarländern gefunden zu haben.
Für die Europaschule steht das nächste Projekt an. Ab Mai wird an einer Theaterproduktion mit einer spanischen Schule gearbeitet. Zunächst kommt die spanische Gruppe eine Woche nach Herzogenrath, anschließend setzen alle die Arbeit in Galizien fort.